Bericht GACP-Workshop in Baoutou und Ordos

Bericht GACP-Workshop in Baoutou und Ordos (Innere Mongolei) vom 25.-28. Mai 2017

Baotou und Innere Mongolei

Baotou (chin. 包头) liegt in der Autonomen Region Innere Mongolei der Volksrepublik China. Die Stadt liegt am Huang He (Gelber Fluss), in der Nähe der Stadt kann man heute noch Reste der Chinesischen Mauer finden und auch das Grabmal des Dschingis Khan liegt unweit. Das moderne Baotou hat ca. 3 Millionen Einwohner und wird in schnellen Schritten zu einer modernen Großstadt entwickelt, das Medical College und besonders der Bereich Pflanzensammlung und Anbau haben große Bedeutung, die Innere Mongolei gilt als Ursprung (daodi) für einige wichtige Arzneimittel wie Glycyrrhizae radix (gancao), Astragali radix (huangqi), Cistanchis herba (Ròucōngróng) und andere.

Bekannt ist die Region Baoutou allerdings als der Ort, an dem 70% der bekannten Lagerstätten für Seltene Erden, die hier abgebaut werden, ein Teil der Gegend gleicht einer Mondlandschaft und die Abwässer landen in einem „schwarzen See“, durch viele frühere Fehlentwicklungen wurde die Wüstenbildung gefördert, die Sandstürme vernebeln weiter über Beijing hinaus die Luft.

Allerdings werden auch deshalb große Anstrengungen unternommen, dies aufzuhalten, bspw. wird Glycyrrhizae radix (gancao) in großem Maße ausgewildert, Glycyrrhizae radix (gancao) wurzelt tief und soll den Boden festhalten.

GACP-Workshop und Kooperation

Organisiert vom Medical College Baotou, dem Lfl Weihenstephan und der China Academy of Sciences, gefördert von Bayer und der chinesischen Gesundheitsadministration, fand in Baotou ein Workshop zum nachhaltigen Pflanzenbau und zu GACP (Good Agricultural Cultivation Practice) statt. Seit 2014 besteht bereits  ein wissenschaftlicher Austausch, der hier auf feste Füße gestellt wurde.

Neben den Partnern aus Baotou, besonders Prof. Li Minhui (Baoutou Medical College) nahmen Dr. Lorenz (Fa. Bayer), Dres. Heuberger, Seidenberger und Rinder (LfL Weihenstephan), Prof. Bauer (Universität Graz), Nina Zhao-Sailer (Universität Genf), Andrea Lindner (Fa. Ceres) und die SMS (Josef Hummelsberger) teil.

Ausgangspunkt sind die Arbeiten der Arbeitsgruppe in Weihenstephan zum Pflanzenbau, zur Qualität und Identität der chinesischen Arzneipflanzen, an dem die SMS zusammen mit der DECA seit ca. 20 Jahren mitarbeitet. Die Fa. Bayer ist sehr interessiert am Anbau guter Pflanzenqualität und Bezug für ihre Produkte, das langfristige Ziel ist wohl auch die Zulassung chinesischer Rezepturen als OTC-Fertigarzneimittel nach der TUD-Richtlinie der EU.

Wichtige Themen waren:

  • Anforderungen an Wildsammlung und Pflanzenanbau, Qualitätsstandards und erforderliche Untersuchungen,
  • Besondere Anforderungen für chinesische Arzneimittel und Anforderungen an die Forschung im klinischen Bereich,
  • Nachhaltigkeit im Anbau,
  • Ergebnisse des LfL-Pflanzenbauprojekts mit dem Schwerpunkt Astragali radix (huangqi) und Glycyrrhizae radix (gancao),
  • Ergebnisse der SMS-Therapiebeobachtung zur chronischen Rhinosinusitis,
  • Zum DaoDi-Prinzip der Chinesischen Medizin (besonderen Herkunft und Qualität).

Nach einem sehr intensiven Workshop wurde an den Folgetagen der Anbau und die Wildsammlung für Arzneidrogen in der Hanggin (Ordos-Region/Innere Mongolei) besichtigt.

Wichtig war besonders der Austausch mit den lokalen Forschern, aber besonders auch den Anbauern, die bereits teilweise sich der Tradition wie auch der Nachhaltigkeit verpflichtet haben.

Meiner Meinung nach konnte man hier bei diesem Workshop eine wichtige Start in eine neue Qualitätsebene der Zusammenarbeit beobachten und begleiten, neue Kooperationen auf Universitätsebene wurde besiegelt.

 

Josef Hummelsberger

 

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