Nachruf für Prof. George Lewith

George Lewith, 12.01.1950 – 17.03.2017

Prof. Dr. George Lewith starb plötzlich und für alle unerwartet im Alter von 67 Jahren am 17.03.2017 während eines Familienurlaubs in Österreich. George war Allgemeinarzt, Arzt für Akupunktur und Homöopathie und einer der führenden klinischen Forscher im Bereich Komplementäre und Integrative Medizin weltweit.

George Lewith beendete sein Studium im Trinity College in Cambridge in den Fächern Medizin und Biochemie. Daraufhin führte er an der Westminster Medical School seine klinischen Studien weiter und arbeitete seit 1974 auch klinisch. 1977 wurde er Mitglied des Royal Collage of Physicians und 1980 Mitglied des Royal Collage of General Practitioners.

Zusätzlich zu seiner klinischen Tätigkeit zuerst als Assistenzarzt in Kliniken, später in eigener Praxis in London, führte George Lewith in den letzten 35 Jahren intensive Forschung im Bereich Komplementäre- und Integrative Medizin und Allgemeinmedizin durch, die von Kollegen, Studenten, klinisch tätige Ärzte, Forscher und Stakeholders im Gesundheitswesen geschätzt wurde und weltweit Anerkennung fand. Er veröffentlichte in der Regel alleine bzw. mit Co-Autoren über 350 peer-reviewed Artikel in medizinischen Fachzeitschriften, schrieb Artikel in Fachbüchern und unterstützte bzw. förderte immer auch die Forschung und die Publikationen von Kollegen. George Lewith stellte seine Forschung regelmäßig auf Fachkongressen vor, so z.B. beim European Congress of Integrative Medicine und auf den Kongressen der International Society for Complementary Medicine Research, deren Präsident er turnusmäßig für zwei Jahre war. In seiner langjährigen Tätigkeit reist er viel und er arbeitete unter anderem in Kanada, China und Australien. Darüber hinaus war er auch als Geschäftsmann tätig, George Lewith importierte und verkaufte z.B. Akupunkturnadeln nach Großbritannien. Vor wenigen Jahren beendete George Lewith seine klinische Tätigkeit in seiner Praxis, blieb aber als Universitätslehrer und Forscher aktiv in der University of Southampton, wo er auch als Professor in Leitungsfunktion im Institut für Allgemeinmedizin arbeitete. Er hatte darüber hinaus auch eine Gastprofessur an der Universität of Westminster Center für Resilienz, arbeitete mit der Beijing University of Chines Medicine und arbeitete in vielen internationalen Projekte, wie im EU-geförderten CAMbrella Projekt, in der er und sein Team ein eigenes Work Package leitete und zentral war für das erfolgreiche Gelingen dieses für die Komplementärmedizin in Europa wichtigen Projekts.

George Lewith war seit knapp 40 Jahren verheiratet und hatte drei Kinder und drei Enkel, die er über alles liebte. Seine jüdische Familie, die ursprünglich aus der heutigen Tschechischen Republik kam, hatte schwer unter dem Nationalsozialismus zu leiden und floh zum Teil noch rechtzeitig vor dem Holocaust. Seine Hobbies waren neben reisen, schwimmen, wandern, gärtnern auch die Beschäftigung mit Kunst und Musik.

George Lewith hatte die herausragenden Fähigkeiten, junge Forscher im Bereich Komplementärmedizin zu fordern bzw. zu fördern und die richtigen Fragen zu stellen. Er folgte immer einem pragmatischen Ansatz bei der Bearbeitung von Forschungsfragen, seine Überlegungen waren zielgerichtet und trafen zumeist den Kern der Sache. George war darüber hinaus bekannt, sich schnell in eine Materie ein zudenken, gut zuzuhören und konstruktiv zu diskutieren, wobei es immer um die Sache ging, nie um Personen. Sein englischer Humor und sein positives Denken machte zudem den privaten wie den beruflichen Umgang mit ihm zu einem Vergnügen. George hatte viele Freunde und wurde von allen hoch geschätzt, als guter Arzt, herausragender Wissenschaftler, aber insbesondere auch als guter, treuer Freund. Wir werden ihn sehr vermissen.

Prof. Dr. Benno Brinkhaus (Charité – Universitätsmedizin Berlin)

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